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Zwischen Eis, Kaffee und Meditation - Ein heiteres Portrait einer stillen Persönlichkeit ... oder umgekehrt

Mein Interview mit Georg Vorhauser, Inhaber des Eis Café Trude in Kaltern.

Wir setzen uns mitten ins Schattenspiel einer Eiche. Der nahe Brunnen plätschert und gurgelt leise vor sich hin. Dass Wasser in der Nähe ist, darauf hat er geachtet. Georg ist gerne in der Nähe dieses vielseitigen Elements. ‚Es erinnert mich daran, dass alles fließt. Und dass es gut ist, wenn alles stets in Bewegung ist.‘ Überhaupt ist er gerne in der Natur – das hat er mir auf dem Weg auf diesen stillen Hügel erzählt, auf dem wir nun unser Gespräch in Ruhe führen möchten.

‚Wer stets auf der Suche ist, der sucht überall. Und irgendwann kommt er zum Schluss, dass die Natur Antworten auf viele Fragen bereit hält.‘ ‚Gesucht‘ hat er an vielen Orten dieser Welt. Indonesien, Nepal, Ägypten, Hawai, Guatemala. In vielen Büchern großer und kleiner Meister. Viele Jahre lang folgte er der Lehre von Sathya Sai Baba und durfte viele Darshan in dessen Ashram in Indien Puttaparthi miterleben. Außerdem begegnete er viele Male Amma Mata Amritanandamayi und ist heute begeistert von der Lehre Hariprems. Über 15 mal war er in Indien – er hat aufgehört zu zählen – und fährt dort immer wieder hin, um diese einzigartige Energie wieder für eine Zeit lang erfahren zu dürfen. Georg meditiert seit 20 Jahren regelmäßig, um zur inneren Ruhe zu kommen, um in Verbindung mit dem Selbst treten zu können, um Glückseligkeit zu erreichen, aber auch einfach aus Heilungs- und Gesundheitsgründen. Er ist offen für alle neuen Erkenntnisse und Herausforderungen, die ein spirituelles Leben tagtäglich bereit hält.

Wenn Georg vom Wandel der Zeit spricht, von den ‚neuen Energien‘ in diesem Zusammenhang, und von der Liebe, dann springt ein Funke über, denn seine Begeisterung und seine Sehnsucht stecken an. Wenn man dann hört, was Georg beruflich macht, und womit er die meiste Zeit seines Tages verbringt, ist man dann erstmal erstaunt.

Georg führt das Eis Café Trude. Die weithin bekannte Eisdiele in Kaltern. Und da fragt man sich natürlich, wie ein so profaner Beruf mit einer ansonsten so spirituellen Lebensweise zusammenpasst.

I: ‚Kann ein Cafè ein Kraftort sein?‘

G: ‚Das hängt von der Energie ab, die dort vorherrscht. Und das wiederum hängt von den Menschen ab, die dort arbeiten und die dort einkehren. Wo etwas authentisch gelebt wird, zieht es Gleichgesinnte an. Jene Leute, die sich – wie ich – dort wohlfühlen, wo mehr Frischgepresstes als Alkohol über die Ladentheke wandert, wo die Klänge der Musik sanfter sind und die Farben und Formen der Einrichtung ganz bewusst gewählt wurden, nach den Prinzipien des Feng Shui. Ich probiere gern Neues aus – gesunde, leckere Snacks; gluten- und laktosefreies Eis in abwechselnden Sorten zum Beispiel. Ich lege großen Wert auf das Verwenden von hochwertigen Produkten, z.B. servieren wir feinen Bio-Kaffee. Wer Durst hat, darf diesen auch mit unserem Granden-Wasser (belebtes Wasser) löschen. Ja, so glaube ich in meiner kleinen Welt etwas zu bewegen. Und ja – so glaube ich, Gleichgesinnte anzuziehen. Und so kann mein Cafè ein Kraftort sein.‘

I: ‚Also denkst du, die Menschen spüren, dass sie im Café Trude noch viel mehr bekommen, als leckere Eisbecher und hausgemachte Torten?‘

G: ‚Das ist meine tägliche Herausforderung und mein Wunsch zugleich. Es geht darum, Botschafter der Liebe zu sein, in allem, was man tut. Auch wenn es das Zubereiten eines Eisbechers ist. Oder vielleicht gerade dann.‘

I: ‚Wie meinst du das?‘

G: (lacht) ‚Na ja, Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Eis macht eben glücklich! Bei den Kindern ist das offensichtlich. Ich freue mich, wenn ich sehe, dass Kinder sich über eine Kugel Eis heute noch so freuen können. Bei den Erwachsenen geht es mehr um den Moment der Auszeit, um die Ruhe, einen Augenblick des Genießens. Und die Freude darüber sieht man ihnen an, wenn man genau hinschaut.‘

I: ‚Isst du eigentlich auch ab und zu mal ein Eis?‘

G: ‚Jeden Tag! Und ich hab‘ mich über all die Jahre so sehr an die Trude-Sorten gewöhnt, dass mir das Eis vom Café Trude am allerbesten schmeckt (lacht). Auch mich macht Eis glücklich. Das Eis-Essen noch mehr als das Eis-Machen.’

*I: ‚Was magst du denn am liebsten an der täglichen Arbeit im Cafè?‘ *

G: ‚Ich liebe das Kaffee-machen. Da stehe ich an der Kaffeemaschine und kann in die Arbeit vollkommen versinken. Ich bin dann zu 100 Prozent im Jetzt und doch nicht hier. Das ist so ähnlich wie beim Meditieren. Auch das Kaffeemachen erfordert volle Konzentration, kompletten Fokus auf das, was gerade ist. Denn zur vermeintlich einfachen Arbeit des Kaffeemachens gehören ganz viele Details, die anspruchsvoller sind, als man glauben würde. Es ist eine Symbiose ganz vieler kleiner Handlungen, die nur gelingen kann, wenn man ganz bei der Sache ist. Das Aufschäumen der Milch – ich kann mich da ganz tief hinein fühlen in diesen Tanz, der da im Kleinen den Tanz des ganzen Universums spiegelt. Dann bin ich weit weg von allem und doch so präsent wie sonst nie. Das mag merkwürdig klingen – andere Leute erleben das vielleicht beim Sport. Ich erlebe das, wenn ich in der Natur unterwegs bin, meditiere oder – eben beim Kaffeemachen. Und ich hoffe, dass man diese Leidenschaft auch schmeckt.‘

I: ‚Das klingt so schön, dass ich Lust aufs Kaffeemachen bekomme. Gibt es auch weniger schöne Momente im Alltag? Was ist die größte Herausforderung?‘

G: ‚Die größte Herausforderung ist, dass Leute erwarten, dass man immer gut gelaunt und immer heiter, offen und fröhlich ist. Schließlich arbeitet man ja im Gastgewerbe. Ich glaube nicht, dass es solche Menschen gibt. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, und ich habe keinen guten Tag, dann traue ich mich, das auch so zu sagen. Manche finden das dann komisch. Ich finde das einfach ehrlich und – menschlich eben.‘

*I: ‚Welcher ist der schönste Moment des Tages?‘ *

G: ‚Ich liebe den Morgen. Wo die Welt gerade erst aufgewacht ist und sich folglich noch gemächlich bewegt. Die Leute, die zum Frühstücken kommen und gemütlich in ihrer Zeitung blättern. Wo alles noch in Vorbereitung ist. Die Erdbeeren werden geschnitten, die Ananas, der Obsalat wird vorbereitet und – naja am Morgen darf ich viel Kaffeemachen!.‘ (lacht)

I: ‚Es gibt also jeden Tag viel zu tun und du bist im Café Trude tatsächlich für jeden Bereich zuständig und packst überall mit an – und das alles mit nur einem Arm! Das ist erstaunlich.‘

G: ‚Den Unfall hatte ich genau heute vor 35 Jahren. Jahrestag sozusagen. Das war damals ein sehr schwieriges Jahr für mich. Heute aber denke ich, dass alles irgendwie richtig ist, so wie es ist. Manchmal glaube ich, die Lähmung meines Armes hat mich auf den richtigen, den für mich bestimmten Weg gebracht. Und – ja, sie hat mich auch ins Café Trude gebracht. Denn ich wollte damals zeigen, dass man auch mit nur einem Arm geschickt arbeiten kann. Ich wollte beweisen, dass es geht.‘

I: ‚Das hast du bewiesen. Wir haben eingangs von dir als ein Suchender gesprochen. Bist du auch mal ‚fündig‘ geworden?‘

Ja. Das bin ich. Ich habe immer mehr zu mir gefunden. Und habe die Erkenntnis gewonnen, dass die Antworten nicht irgendwo dort draußen in fernen Ländern und bei großen Meistern liegen, sondern – fast immer – irgendwo in mir selbst. Immer dann, wenn ich ganz im Jetzt bin, wenn ich ganz bei mir bin, beantworten sich viele Fragen von ganz alleine. Das ist mein tägliches Bemühen: Im Moment sein.’

Die Sonne ist inzwischen ein wenig gesunken. Das Licht bricht nun in Strahlen durch das Blätterdach der alten Eichen. Georg stellt sich in einen hohlen Baum, lacht aus voller Brust, lässt ein paar Portraits von sich knipsen und beweist, dass Spiritualität auch humorvoll gelebt werden kann.

Wir gehen langsam unseren Hügel hinab. Und ich muss darüber nachdenken, dass ich heute viel gelernt habe. Darüber, dass jede Sache, sei sie auch noch so banal, der Übung dienen kann, ganz bei sich selbst und im Jetzt zu sein. Darüber, dass wahre Größe bedeutet, das Gute in Schicksalsschlägen zu erkennen und darüber, dass ein Botschafter der Liebe zu sein sehr viel mit Heiterkeit und Humor zu tun hat und – ja – dass Eis glücklich macht. Danke, Georg.



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